Klolektüre

Vor nicht allzu langer Zeit

konnte man noch

meinen: Mittel

sei Botschaft. Vielleicht, 

weil es die Not 

verriet, die Leinen

keinesfalls den klammen

Griff des unbekannten

Empfängers her-

zugeben. Dieser Feind

des Staats. Dieser Freund

des Staats. Dieser ständig

an seiner Bleilampe 

rubbelnder Freak

tausend Tage

krankgeschrieben

und bis zu den Zähnen 

bewaffneter

trans Teenager.

Gewisser Kulturmarxist

mit abgelaufener 

Sicherheitsfreigabe.

Ein im liegen Marschierender

unter der Fahne

des grünen 

Frosch. Ein Spuk

ist Jedermann, umstritten

das Ich und alle U30

ein Psy-Op.

Sind Sie auf der falschen Seite

von 50, muss man Ihnen

nicht sagen, als 

Architekt des Hauses

und Mitglied des Vorstands

und Verleger und Verleiher

wo der Ausgang ist.

Nur, dass Sie‘s selbst mal

ausprobieren.

Und wir dazwischen

gehen an den kältesten Tagen

mit nackten Knöcheln

vor die Tür, können kaum

die Straßenspur

mehr folgen vor lauter

Mitsingen. Wir wollen nur

Wohl, decken uns

redlich damit

ab. Wehe, jemand

versucht, uns unser

Elend jemals

wegzunehmen. Wie Abgott-

boas hingen uns

die Richtlinien, Ansprüche

unzählig gescheiterte

uns zugeschobene

Träume der Vorgänger

um den Hals. Die schweren

Fesseln, mit denen wir

in jedem Schritt

und Kommasetzung

kämpften. Doch irgendwann

konnten wir einfach

die Füße aus den Schellen

heben und wegtreten.

What the fuck.

Rangen wir die ganze Zeit

nur gegen uns

die Schellen selbst,

oder schrumpfen, verdunsten wir,

specken ab und werden

tagtäglich sexier, schwieriger

vor einem Hintergrund

von, weiß nicht, Zahnstecher

und Fetzen roter Faden

zu erkennen?

Egal, wir rubbeln 

an allem weiter: Einwegflaschen,

Denkmähler, unter Folie

erstickte Bücher, hinter Jeans 

gefangene Fülle —

wobei nur diese letztere

emittiert ab und zu 

etwas Geist.