Hier sein

Aus der Erde

sprichst du — 

deine Stimme

unter einem Blatt

die Stille. Du sprichst

zu mir, sprachst

auch damals, als du

am Leben warst

aus einer noch nicht

gekommenen

Zeit. Sprachst sogar

bevor es dich gab,

bevor ich hier

und dein Sohn

war, dir zu-

zuhören. Es gab nur

Sprechen und

Hören — nicht mal

deins und meins,

dich und ich,

uns — Hohlräume

unter Blätter, welche

wir fanden, füllten

auf mit Auf-

klingen unser

zu spätes

Selbst. Neben-

einander saßen wir

vor 30 Jahren

in einem Mietwagen

und fuhren hoch

an der kurländschen

Küste — vorbei

an wie viele

gefallenen, oder

am Stamm noch atmende

Sekunden, wo du

sprachst und

ich hörte

zu. Wir stiegen

an einer Burgruine

aus. Ich kletterte

die Mauernreste, du

nahmst ein Foto, das ich

niemals sah. An nichts

kann ich mich

erinnern — außer,

dass wir da

waren. Wie der Wind

durch die Espen

am Waldrand

rauschte, im Mund-

laut, im Zittern

des Laubes Silber-

bauch, Silben

gaumenauf und ab

fällt im Wehen

dein Wort, immer wo

ich fehle — ich,

der dir nur vermissen

kann, von einem

Ort, eine Zeit zum

anderen — wie ich jetzt

meine Hände dir zu

strecke, bis ich

die narbigen Venen

taste vom Blatt, die Kälte

des frühen Winters

draußen auf der

anderen Hautseite

und versuche, mein Atem

zu halten, mein Herz

zu stillen — deine

zu spüren, dich

zu hören.