Das Wunder

Poem occasioned by the wedding of two dear friends

Wie unmöglich

scheint es, dass wir

uns je begegnen würden.

 

Alles sprach dagegen:

 

die Entfernung,

die Zeit,

die Leben,

die wir erst leben mussten.

 

Du und ich.

 

Fern voneinander

geboren, in anderen Tagen,

unter anderem Licht —

und doch

warst du längst unterwegs

durch all das,

was ich nie hätte planen,

nie erwarten können.

 

Nicht wartend auf mich.

Nicht suchend.

 

Sondern lebend —

wie ich lebte —

bis jener Augenblick,

in dem das Unmögliche

unausweichlich

wurde.

 

Als unsere zwei Wege —

so fremd

ihre Anfänge —

in einen

mündeten:

 

Uns.

 

Und da wussten wir:

 

dass Liebe nicht bedeutet,

für jemanden bestimmt zu sein.

 

Sondern bereit.

 

Bereit,

sich verändern zu lassen —

dem Anderen

entgegen.

 

Bereit,

eine Distanz zu überwinden,

größer als Welten

und kleiner

als der Raum

zwischen zwei Händen.

 

Denn selbst Haut auf Haut

hebt nicht jedes Getrenntsein auf —

und doch

wählen wir einander

immer wieder

gegen jede Grenze.

 

Das ist das Wunder.

 

Nicht, dass zwei Menschen

zueinander finden.

 

Sondern, dass sie sagen:

 

Ich will dich erkennen,

wo ich dich nie ganz begreifen kann.

 

Ich will dich berühren,

wo du dennoch Geheimnis bleibst.

 

Ich will mit dir aus zwei Wegen

einen machen.

 

Nicht ich.

Nicht du.

 

Sondern dieses Dritte,

das größer ist

als jeder von uns allein:

 

Wir.