Attrappenromantik
§ Ameisenaussicht
Mein Traum im Schatten
eines Apfelbaums
schraffiert.
Kaum bin ich dort
zu erkennen, wie ich
kämpfe, nicht
einzuschlafen, und warte
und scrolle weiter
nach unten, den Zeigefinger
hebe und wieder
am Display abschleife
und warte und
warte. Käme
Erlösung, würde
es platschen. Es hing
am Ast zu lange, um weh
zu tun. Alles Harte
wird, wurde
Matsch. Göttliche
Rundheit, zertretene
Auslese.
§ Hermeneutischer Entwurf
Unsichtbar ist nämlich alles
und jede Hand
die Schwelle
meiner.
Da kommt etwas
Musik entgegen, worin
eine Falle
sich lieblicher
entsinnt. Ob durch
das Lesen
gefälligst filtriert
und entzückend abgespielt,
ist doch egal, weil
jedes Leben
sich so
achtzigmal
einfängt. Nimm Fetzen
davon in Anschauung auf
und finde, du hast
das Wort Vögelchen
wieder
aus Langeweile
erschlagen.
§ Carbo Animalis
Fern dem teuren Abriss
verschiedenster Binnenkünste
und unzähliger
zerschossener Vasenbilder
der Gunstfertigkeit
ist der Dichter dem Prospektus
des Sittenreichs
treu geblieben. Schoß-
hündisch las er
jedes Loch, jeden Sprung
hinein. Und sprang
nach. Gewiss, schrieb er,
eine Gartenmauer
ist nichts
ohne das Verflochtensein
des Efeus — dieses
samenseltenen
Gewächses
des unziemlich versuchten
Gedichtes. Derweil
liegt der Dichter
den ganzen Tag lang
im lauwarmen Wasserbad,
dessen typischer
Geruch — an Fleischbrühe
erinnernd — uns noch
immer ihmwärts
durch die Buchbindereien
in den Leim
lockt.
§ Whitmania
Versäte Häftlingsknöchel
fand er jugendlang
halb hervor-
steckend aus Sand
und Wellen-
gewrang — arge Stäbchen
einer Ufer-Ode
noch öd
ungedichtet
Wallabout-Buchtseite des
heiligbesudelten
East Rivers. Gras wurzelt
und Erde rinnt
aus den Buchstaben
des Titels, in den
Einband ein-
gestampft, dem
Dichternamen erspart —
in Wahrheit bloß
verfaulte Lederschichten
zudeckend
die sich traurig
berührenden Blätter.
Lesen ist
aufgrabendes
Selbsteinschütten.
Unser Vergilben lindert
kein Anerkennen.
